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Wie eine stringente Lösung für die Situation darstellen?
Die gute Situationslösung in der Architektur lebt vom Dialog des Gebäudes mit der Umgebung. Hier geben die Architekten dem Bau mit der intensiven Farbgebung und der sorgfältigen Detaillierung eine grosszügige Präsenz, die auf die Situation zurückstrahlt. Das Bild soll diese Grosszügigkeit vermitteln und zeigen, wie die Bauten zu einem ruhigen, sicheren Pol zwischen den Verkehrsströmen aufgewertet wurden.

Galli Rudolf Architekten, Renovation Glanzenberstrasse Dietikon 2010, Siedlungsgenossenschaft Eigengrund

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Mehrere Informationsebenen in einem Bild
Den Architekten ist es bei dieser Wohnsiedlung gelungen, spezifische ‚Orte’ zu schaffen. Private Orte, Begegnungsorte, Verweilorte, Spielorte, öffentliche Orte… – Orte zur Identifikation. Heimat. Das Bild führt von einem Ort zum anderen und wieder zurück. Während des Betrachtens gibt das Bild Informationen zur grossmassstäblichen Situation und zur kleinmassstäblichen Detaillierung. Gleichzeitig soll es den Betrachter in die Stimmung des Ortes hineinversetzen.

EM2N Architekten, Siedlung Hegianwandweg, Zürich 2003, FGZ

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Darstellung des Raumes mit zwei Dimensionen
Als Architekturfotograf nutze ich die Bilderfahrung des Gehirns, um im Kopf die fotografische 2D-Information in ein 3D-Modell zurück zu interpretieren. Mehrere Bilder, die ‚einander die Hand geben’, können zusammen das räumliche Gerüst eines Gebäudes im Kopf wieder erzeugen. Die Kunst ist es nun, mit möglichst wenigen Bildern möglichst viel räumliche Information zu transportieren. Am meisten gefällt mir eine Bildserie, wenn in den Einzelbildern zu Situation, Konstruktion, Materialisierung usw. die räumliche Information als Begleitspur mitläuft. Auf diese Weise kann das Gebäude schlussendlich im Gedächtnis abgelegt werden, wie Erinnerungen von realen Begehungen.

bonnard woeffray architectes, ecole primaire Fully 2001, commune de Fully

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Das Volumen als Werkstück feiern
Die Situationslösung, die sich hier in einem bearbeiteten Volumen ausprägt, ist überzeugend. Das Bild zeigt im Überblick, wie das Gebäude auf die Strasse reagiert, der Einschnitt den Haupteingang formuliert, mit der Verglasung den Baukörper poetisch öffnet und wie mit diesen skulpturalen Massnahmen das ‚Werkstück’ ästhetisch austariert wird.

Graber Pulver Architekten, LWB Bern, 2000, Kanton Bern

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Materialisierung und Stimmung feiern
Die Stimmung, die durch die konsequente reduktive Materialisierung erreicht wird, hat einen wesentlichen Anteil an der Faszination, die von diesem Schulgebäude ausgeht. Neben der Stimmung zeigt das Bild architektonische Mittel wie die gesteuerte Transparenz, die verdoppelten gegenläufigen Treppen sowie das überragende Tragwerk mit mehrgeschossigen Trägern.

Christian Kerez, Schulhaus Leutschenbach, Stadt Zürich 2009

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Wie die Neuinterpretation eines Typus vermitteln?
Die Architekten haben eine Neuinterpretation des Typus Chalet vorgelegt. Dabei ist die Verheiratung zweier nicht naheliegender Ideologien gelungen: ‚Chalet-Holz-ist-heimelig’ einerseits und ‚Licht, Luft und Sonne’ der Moderne anderseits. Vermittelt werden sollen in diesem Bild Aufbruch, Freude, Faszination und die Verschmelzung dieser Ideologie-Welten.

EM2N, Flums House, 2003

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Licht feiern
Photographie ist Schreiben mit Licht. Ohne Licht kein Abbild. Ohne Lichtquelle und Reflexion gibt es keine visuelle Wirkung von Architektur. Relevant ist, woher das Licht kommt, wie es bei den Reflexionen absorbiert, eingefärbt, gestreut und gespiegelt und dann mit reduzierter Intensität weiter strahlt. Als Architekturfotograf wird man den Lichtwegen und Lichtwirkungen gegenüber sehr sensitiv. Licht bringt Architektur zum leuchten!

Isa Stürm Urs Wolf SA, Kunst(Zeug)Haus, Rapperswil 2008, Stiftung Kunst(Zeug)Haus

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Denkraum Architektur
‚Alice im Wunderland’ war der Ausgangspunkt für den Entwurf dieses Projekts. Mit dem Betreten des Kindergartens durch eine grimmige, mächtige Panzersperrmauer finden sich die Kinder in einer märchenhaften Welt wieder. Spiegel, Farben, Kindermassstab-Fenster, der Kunstrasen und der Ausblick in die gewachsene Umgebung reihen sich traumwandlerisch in diese ‚phantastische’ Wirklichkeit ein. Im Bild wird das Denken der Architekten in poetischen Dimensionen verdeutlicht. In überlagerten Betrachtungsebenen werden gleichzeitig Aussagen zu Materialisierung, Detaillierung, Volumetrie und Situation vermittelt.

Ken Architekten, Kindergärten Dietikon, 2004, Stadt Dietikon

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Zurückhaltende Bildgestaltung im Dienste der Vermittlung
Fotos mit möglichst viel Information bepacken und sie ästhetisch trotzdem ruhig zu halten, ist eine Herausforderung. In einer ersten Bildschicht geht es vordergründig um die Ausgestaltung der Waschtischzone. In einer weiteren, wandernden Betrachtung folgt man der dick aufgetragenen Wandfarbe, die sich beruhigend über Fenster, Türen sowie Einbaumöbel zieht und die die intensive Farbigkeit der Decken und Böden erst möglich macht. In einer dritten Ebene gibt es die Bilder im Bild. Diese erzeugen hier räumliche Tiefe im Foto und lassen den Blick dosiert in neue Räume vordringen. Mit meiner Fotografie suche ich Bilder, die interessierte Betrachterinnen und Betrachtern durch mehrere ‚Angebote’ in die Bildwelt hineinziehen und mit zusätzlichen Entdeckungen belohnen.

bonnard woeffray architectes, Accueil petite enfant, Monthey 2008

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Wie eine herausragende Detaillierung und Materialisierung erfahrbar machen?
Materialisierung hat eine stark haptische Komponente. Diese versuche ich mit suggestiven Bildern im Gehirn des Betrachters abzurufen. Ich muss also die Betrachter in Bewegung bringen, um sie in Bilder hineinversetzen. Die halboffene Tür als dynamisches Element erzeugt einen Sog ins Bild hinein. Der ruhige, zentralperspektivische Loggia empfängt einem. Jetzt ist man bereit, diese hölzerne Schmuckschatulle zu fühlen, in Gedanken haptisch zu erfahren – nach dem Verweilen folgt das neugierige Erkunden in die Wohnung hinein…

Bünzli Courvoisier Architekten, Wohnüberbauung Hagenbuchrain, Zürich 2004, Baugenossenschaft Sonnengarten

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Architektonische Erfindungen feiern
Mit einem fliessenden Raumkonzept und der gezielten Überhöhe schaffen die Architekten in einem Dachausbau räumliche Weite. Fliessende Räume haben aber die Tendenz, alles in Bewegung zu versetzen und zu zerfliessen. Mit meinen Bildern will ich zeigen, wie die Architekten die verschiedenen Räume mit ganz feinen Mitteln räumlich halten. Mit dem weiss abgesetzten Fries können Umrahmungen gelegt und subtile Höhendifferenzierungen erreicht werden, was im kontinuierlichen Raum zentrierte Ruhepole schafft. Es macht mir Freude, auch solche ‚unscheinbaren’ Erfindungen zu analysieren und in Bilder zu übersetzen!


Althammer Hochuli Architekten, Sanierung Dachwohnung, Zürich 2005

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Denkräume – Wie das Thema Planungsinstrumente in Bilder umsetzen?
Mit Planung will man das steuern, was noch nicht ist. Planung bewegt sich im Vorher für das Nacher. Das Bild zeigt Andermatt dort, wo Sawiris’ Resort gebaut werden soll. Da ich dieses Grossprojekt kann ich in den Köpfen des Fachpublikums abrufen kann, werden die ganzen Fragen der Raumentwicklung mit ihren Instrumenten – den positiven und negativen Auswirkungen – auf dieses weisse, leere Bild projiziert. Es fasziniert mich, dass ich die Betrachter – über den Impuls der Bildlegende – Dinge sehen lassen kann, die ich gar nicht zeige. Denn ich schicke das Bild mehrmals durch das Hirn des Betrachters: zuerst leer, dann zunehmend mit Wissen befrachtet.

Tec 21, Hefte zur Raumplanung 2010, zukünftiger Bauplatz Podium, Andermatt

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Denkraum – Landschaft – Raumplanung
Wir sehen Natur – mit dem Kopf wissen wir: überwiegend Kulturlandschaften. Raumplanung ist ein wichtiges Steuerungsinstrument. Die Landschaft wird aber auch von Markt- und Subventionskräften gelenkt. Land- und Forstwirtschaft wären in der heutigen Form ohne Subventionen undenkbar. Im Bild Galloway-Rinder auf einer Weide im Thurgau. Das Spezialitäten-Fleisch wird über Direktvertrieb abgesetzt. Der Bauer ist ein zugewanderter Zürcher, der bei der Erbteilung mittels Baulandverkauf ausbezahlt wurde und sich damit einen Hof im Thurgau erworben hat. Die Zürcher lösten in der Zuwanderung die Berner ab, da diese mit den Preisen nicht mehr mithalten konnten (der Bauernhof im Hintergrund gehört noch einem zugewanderten Berner).


Tec 21, Hefte zur Raumplanung 2010, Viehzucht mit Galloway-Rindern, Neukirch a. d. Thur

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Denkraum – Agglomeration – Raumplanung
Welches sind die Merkmale der Agglomeration? Der Planungswille der Öffentlichkeit ist kleiner, folglich das Nebeneinander ungeordnet, entmischte grossmassstäbliche Nutzungen herrschen vor, folglich braucht es massive Verkehrsinfrastruktur und dazwischen ergeben sich Restflächen. Hier im Bild eine ‚Insel’ mit verschiedensten Parallelwelten ohne Verzahnung. Die Bebauung ist entsprechend heterogen: geschichtlich, in der Körnung, Nutzung… Mir ist wichtig, dass meine Bilder mit einem sachlichen Ansatz entstehen und gelesen werden. Es geht mir darum, die Dinge möglichst ‚so wie sie sind’ oder besser ‚so wie sie wirken’ abzubilden. Die Realität ist genügend spannend, ich muss sie nicht mit bildnerischen Mitteln oder expressiver Autorenschaft überhöhen. Am besten gefallen mir die Bilder, wenn sie mir ‚wertfrei’ gelingen, wenn ich die Bildbetrachtenden auf eine Beobachtungsreise mitnehmen kann, bei der sie sich eine eigene Meinung bilden können.


Tec 21, Hefte zur Raumplanung 2010, Route de Bussigny, Route du Jura, Renens

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Mehrere Architekturthemen in einem Bild darstellen
Die Aufgabe für den Wettbewerb war, den S-Bahnhof aufzuwerten und in den Köpfen der potentiellen Kunden präsenter zu machen. In einem Bild zeigt das Foto mehrere ‚Architekturthemen’. Zunächst die ‚Situation’: wie die Leuchttafeln weit über die Stadt sichtbar sind und zu einem Merk-Punkt im Industriequartier werden. Dann sieht man wie der ‚Eingang’ auf der Brücke aufgewertet und so die Fahrgastebenen verknüpft wurden. Zudem gewinnt man – über die abgebildeten Wartenden – einen Eindruck vom Massstabsprung, der dieses Projekt auszeichnet. Die ‚Konstruktion’ wird schliesslich dort sichtbar, wo man hinter die Kulisse blicken kann – auf der Rückseite des ‚Glamours’, wo die übergrossen Zeichen in Filmstadtmanier pragmatisch abgestützt wurden.

EM2N Architekten, Aufwertung Bahnhof Hardbrücke Zürich, SBB, 2005

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Analyse als Grundlage für relevante Fotos
Auf der Parzelle einer ehemaligen Villa wurden zwei Doppelhäuser errichtet. Gemäss meiner Analyse war Aussicht dabei ein wichtiges entwurfgenerierendes Thema. Die Stellung der Häuser zueinander und die nicht-orthogonalen Grundrisse steuern die Aussichten gezielt. Verschiedene Fenstertypologien wurden entwerferisch stringent entwickelt und eingesetzt. Mit dem Bild zeige ich einen gesteuerten Ausblick, der aus dem Zusammenspiel der Situationssetzung und der Ausformulierung des Fensters erreicht wird.


Daniele Marques, Doppelhäuser Dreilindenstrasse Luzern, 1998–1999